Alter(n)sgerechte Arbeit – was ist zu tun?

Die Arbeit verändert sich und wir uns mit ihr. Denn die Bedingungen wandeln sich ständig und vor allem immer schneller. Lebenslanges Lernen ist Voraussetzung, wenn man dranbleiben will und wir müssen immer länger dranbleiben, weil wir immer älter werden und unsere Erwerbskarriere immer länger wird, wir also immer länger arbeiten.

20. Oktober 2017

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So weit, so einleuchtend. Wenn wir aber immer länger arbeiten, wir also auch im höheren Alter noch produktiv sein wollen und sollen, wie lässt sich unsere Arbeitsfähigkeit erhalten? Und worum geht es dann eigentlich – um altersgerechtes oder alterNsgerechtes Arbeiten? Reicht es, wenn man den Alten das Arbeiten bequemer macht oder muss man gleich ganz vorn bei den Jungen anfangen, damit die erst gar nicht altersbedürftig werden?

»Die Beschäftigung Älterer wird in Zukunft einen wesentlichen Anteil an der Fachkräftesicherung ausmachen.«

Peter Wollseifer, Präsident des Zentralverbands des Deutschen Handwerks

Klären wir zunächst den Begriff „altersgerechtes Arbeiten“. Das Bundesministerium für Arbeit und Soziales schreibt dazu in seinem „Fortschrittsreport: ‚Altersgerechte Arbeitswelt’“: „Ziel ist der Erhalt der Arbeitsfähigkeit und der Arbeitsbereitschaft, damit alle bis zum Erreichen der Regelaltersgrenze arbeiten können.“ Dafür gebe es, so der Report weiter, drei Handlungsschwerpunkte:

  1.  Arbeitsorganisation und -gestaltung,
  2.  die betriebliche Gesundheitsförderung und nicht zuletzt
  3.  die Qualifizierung und Weiterbildung der Beschäftigten.

Aber was bedeutet altersgerechte Arbeit in der Praxis? Wie können Unternehmen die Zukunft im demografischen Wandel gestalten? Orientierung bietet Aging Workforce. Verstanden werden darunter generell die Auswirkungen der Demografie in Unternehmen und daraus abzuleitende praktische Maßnahmen. Ziel ist, die Veränderung in der Alterszusammensetzung der Belegschaft zum Vorteil für das Unternehmen zu nutzen. Soll heißen: altersgerechte Arbeitszeitmodelle, Verfügbarkeit von Know-how sowie des Erfahrungsschatzes älterer Mitarbeiter*innen, fachliche Qualifikationen und lebenslange Kompetenzentwicklung. Denn, so der Grundgedanke von Aging Workforce, vor dem Hintergrund der Veränderungen in Gesellschaft und Arbeitsmarkt lautet die Herausforderung im Kern: Das Durchschnittsalter der Belegschaft steigt, qualifizierte Arbeitskräfte und Nachwuchs sind schwer zu finden. Ergo gilt es die Wettbewerbs- und Leistungsfähigkeit älterer Beschäftigter zu erhalten, einmal gewonnene Mitarbeiter*innen möglichst lange gesund im Unternehmen zu halten und das Potenzial aller optimal zu nutzen.

Alternsgerechtes Arbeiten steht im Fokus

Wenn es also um alle (!) Mitarbeitenden geht, dann ist nicht altersgerechtes, sondern alternsgerechtes Arbeiten der entscheidende Fokus. Damit ändern sich auch die Fragestellungen an das Personalmanagement und an die Führungsebenen in den Unternehmen: Wie lassen sich altersgemischte Teams generationengerecht führen? Wie können unterschiedliche Generationen erfolgreich gefordert und gefördert werden? Welche Aspekte gilt es konkret zu berücksichtigen?

Für den Erhalt der Gesundheit am Arbeitsplatz spielt natürlich Ergonomie eine wichtige Rolle – egal wie alt man ist. Unterschiedliche Altersgruppen haben jedoch nicht nur physiologisch individuelle Bedürfnisse, sie befinden sich auch in verschiedenen Lebensphasen. Um den sich daraus ergebenden Anforderungen gerecht zu werden, braucht es verschiedene Arbeitszeitmodelle und Flexibilität in der Gestaltung der Arbeit. Generell sind Freiräume nötig, um sich den ständig und immer schneller verändernden Arbeitsbedingungen und Technologien im Zeitalter der Digitalisierung anzupassen. Lebenslanges Lernen wird hier zur Grundvoraussetzung, um überhaupt mithalten zu können. Mit der temporeichen und oft sprunghaften Entwicklung von Technologien werden zudem neue Lernformen notwendig. Möglicherweise werden für unterschiedliche Generationen auch verschiedene Lernangebote gebraucht.

Wie produktiv sind die verschiedenen Generationen wirklich und welche Bedingungen können arbeitgeberseitig bereitgestellt werden, um ein positiv wirksames Arbeitsumfeld für alle zu schaffen? Wie sieht es aus, das „ideale Demografie-Unternehmen”? Die Herausforderungen für Unternehmen sind groß, die Antworten nicht leicht zu finden und gefundene Lösungen nicht immer skalierbar. Wissenschaftliche Begleitung ist hier notwendig und sinnvoll. Die Altersdurchmischung von Teams und passende Handlungsspielräume spielen sicher ebenso eine Rolle wie eine passende Verteilung von Aufgaben. Unnötig zu erwähnen, dass Vorurteile und Altersstereotype zu Alt und Jung hier nichts zu suchen haben. Vielmehr gilt es, die Qualitäten der unterschiedlichen Generationen zu fördern. Die Inklusion der Generationen ist das Gebot der Stunde.