Altersstereotype_INQA

Die Potenziale älterer Beschäftigter stärker nutzen

Die Arbeitsfähigkeit älterer Beschäftigter gewinnt an Bedeutung. Ein erster Schritt ist, Altersbilder kritisch zu hinterfragen. Denn wenn Unternehmen sich Vorurteile bewusst machen und sich auf ältere Beschäftigte gezielter einstellen, erhöhen sie nicht nur deren Arbeitsqualität, sondern auch ihre Konkurrenzfähigkeit. Dies ist die Erkenntnis von Dr. Götz Richter. Als wissenschaftlicher Mitarbeiter der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin moderiert er den Fachkreis Demografie der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA). Lesen Sie hier seinen Gastbeitrag.

21. Juli 2017

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Häufiger krank, weniger kreativ und Vorbehalte gegenüber neuen Medien: So sind doch die älteren Beschäftigten! Oder doch nicht? Was wäre, wenn betriebliche Personalarbeit sich an den realen individuellen Kompetenzen der Älteren orientieren würde, statt unbewiesenen Defiziten das Wort zu reden?

Alter als Hauptdiskriminierungsgrund im Betriebsalltag

Ebenso wie im gesamtgesellschaftlichen Kontext bleiben Altersbilder auch in Organisationen nicht ohne Wirkung. Zwar hat sich mittlerweile in einigen Unternehmen schon die Erkenntnis verbreitet, dass mit älteren Beschäftigten keineswegs automatisch abnehmende Fähigkeiten und steigende Leistungsdefizite verbunden sein müssen. Dennoch bleibt die Frage, ob der häufig altersfreundlichen Rhetorik nicht doch eine viel skeptischere und vorurteilsbehaftete Personalpolitik im Betriebsalltag gegenübersteht.
Nach einer Studie des Statistischen Bundesamtes hat fast jeder zehnte Beschäftigte Diskriminierung am Arbeitsplatz erfahren, die Hälfte aufgrund ihres Alters (zu alt oder zu jung). Damit steht das Alter als Grund für Diskriminierung ganz oben, weit vor Nationalität, Geschlecht, Religion, Herkunft oder Behinderung.

Eigene Altersbilder reflektieren und Altersstereotype überwinden

Daher lohnt es, sich als Betrieb noch intensiver mit dem Thema auseinanderzusetzen und der Frage nachzugehen, welche Vorstellungen vom Alter, vom Altern und von Älteren existieren. Denn diese Vorstellungen werden in betriebliches Handeln übersetzt und entscheiden oft über den Erfolg oder Misserfolg einer alter(n)sgerechten Personalpolitik. Stereotype sollten auch in der betrieblichen Praxis gezielt hinterfragt werden. Insbesondere in der Personalpolitik ist es wichtig und auch ökonomisch sinnvoll, die Fähigkeiten der Beschäftigten individuell und differenziert zu betrachten. Eine der wichtigsten Strategien dabei ist, sich aktiv mit dem unternehmensspezifischen und dem individuellen Altersbild auseinanderzusetzen. Erst dann kann ein Umdenken stattfinden, das Diskriminierung vermeidet, ein alternsgerechtes Handeln in den Unternehmen ermöglicht und so individuelle Potenziale fördert.

Wege zu einem betrieblichen Alternsmanagement finden

Individualisierte personalwirtschaftliche Konzepte sind also nicht nur für die „bunte Jugend“, sondern erst recht für die „ergrauten Älteren“ gefordert. Laut dem Fortschrittsreport „Altersgerechte Arbeitswelt“ des Bundesarbeitsministeriums wünschen sich 84,2 Prozent der älteren Beschäftigten eine ergonomische Gestaltung des Arbeitsumfelds, doch nur 37,7 Prozent der Unternehmen bieten dies an.

Ein effektives betriebliches Alternsmanagement wirkt präventiv, integrativ und ressourcenorientiert und begünstigt ein gesundes Altern bei Einbindung der spezifischen Leistungsfähigkeit in den Wertschöpfungsprozess. Es umfasst Maßnahmen der Arbeitsgestaltung, des Personalmanagements und der Gesundheitsförderung. Dazu gehört die Arbeitsfähigkeit über den gesamten Erwerbsverlauf und in jeder Lebensphase zu erhalten, zu fördern und wenn möglich zu verbessern, etwa durch die Sensibilisierung und Schulung von Führungskräften und Belegschaft, die ergonomische Gestaltung des Arbeitsumfelds, lebenslanges Lernen, altersgemischte Teams, Angebote der Gesundheitsvorsorge und flexiblere Arbeitszeiten.

Eine gute Einführung in das Thema auf der Basis arbeitswissenschaftlicher Erkenntnisse zu Fähigkeiten und Leistungsvermögen Älterer, konkrete Tipps, ein „Altersquiz“ und Praxisbeispiele für ein betriebliches Alternsmanagement bietet die Broschüre der Initiative Neue Qualität der Arbeit (INQA) Alle in eine Schublade? Altersstereotype erkennen und überwinden.

 

  • Dr. Götz Richter

    Dr. Götz Richter ist wissenschaftlicher Mitarbeiter bei der Bundesanstalt für Arbeitsschutz und Arbeitsmedizin und moderiert den Fachkreis Demografie der Initiative Neue Qualität der Arbeit. Die Initiative Neue Qualität der Arbeit wurde vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales ins Leben gerufen. In ihr engagieren sich Bund, Länder, Arbeitgeberverbände und Kammern, Gewerkschaften, die Bundesagentur für Arbeit, Unternehmen, Sozialversicherungsträger und Stiftungen gemeinsam für eine moderne Arbeitskultur und Personalpolitik: www.inqa.de.