Die Zukunft der Arbeit – Trends und Transformationen

»Digitalisierung, Globalisierung, demografischer Wandel, Bildung und Migration sowie der Wandel von Werten und Ansprüchen. Dies sind die Kräfte, die Veränderungen anstoßen.« So steht es im Weißbuch Arbeiten 4.0, das das Bundesministerium für Arbeit und Soziales unter der Federführung von Bundesministerin Andrea Nahles Ende 2016 herausgegeben hat.

12. Oktober 2017

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Die Digitalisierung unserer Arbeits- und Lebenswelt, revolutionäre Technologien, neue Altersstrukturen, Diversität und Internationalität in den Teams, dazu veränderte Ansichten und Werteskalen zur Bedeutung der Arbeit überhaupt – denkbar, dass da in den Führungsetagen und Personalabteilungen dem einen oder der anderen zwischenzeitlich schwindelig wird. Denn die neuen Einflüsse auf unsere Gesellschaft sind multiple und es ist noch äußerst unklar, wie sich die Summe aller Trends und Megatrends auf die Zukunft der Arbeit auswirken wird.

Wir haben hier spannende Trends aus dem Weißbuch Arbeiten 4.0 herausgegriffen. Sie stoßen an, geben noch keine Antworten, wie es im Weißbuch des Bundesministeriums an anderer Stelle durchaus versucht wird. Aber Sie machen bereits eines klar: Der Wandel ist sicher. Unsicher ist hingegen, wer auf der mächtigen Welle des nicht nur digitalen Wandels reitet und wer von ihr geschluckt wird. Für die „Wellenreiter” gilt: die Chancen aus der Transformation erkennen und sie nutzen!

Neue Qualität der Digitalisierung

Weißbuch S. 19

(…) Derzeit überschreiten wir eine Schwelle, an der die Digitalisierung weite Teile des täglichen Lebens, der Wertschöpfungsprozesse und des Arbeitens durchdringt: Das Internet vernetzt nicht nur kommunizierende Menschen, sondern auch „kommunizierende“, d. h. Daten aussendende Dinge. Die Technologien, die den digitalen Strukturwandel vorantreiben, dürften sich auf absehbare Zeit rasant weiterentwickeln. (…) Experten erwarten (sprunghafte Entwicklungsschübe) bei selbstfahrenden Autos, komplexen Produkten aus dem 3-D-Drucker sowie Robotern, die hochwertige Dienstleistungen (…) ausführen.

Globalisierungsschub durch Digitalisierung

Weißbuch S. 26

In den vergangenen Jahrzehnten (wurde) der Austausch in einem weltumspannenden Informations- und Kommunikationsraum zum Motor von Veränderungen. Deutlich wird dies nicht zuletzt am Zuwachs digitaler Datenströme: Während sich der Handel mit klassischen Waren und Dienstleistungen sowie grenzüberschreitende Direktinvestitionen zwischen 2005 und 2014 in etwa verdoppelt haben, hat sich der Umfang der grenzüberschreitenden Internetverbindungen im gleichen Zeitraum verachtzehnfacht. (…)  Hervorstechendes Merkmal der Globalisierung ist längst nicht mehr nur der grenzüberschreitende Handel von Waren, die an den unterschiedlichen Orten der Welt produziert wurden, sondern die globale Arbeitsteilung bereits in ihrer Herstellung. (…) Angesichts kürzerer Produktlebenszyklen und geringerer Stückzahlen, die die Voraussetzungen für industrielle Massenfertigung verändern, sind insbesondere Flexibilität und Geschwindigkeit von hoher und zunehmender Bedeutung.

Demografie- und Arbeitskräfteangebot

Weißbuch S. 29

Ende der 2020er Jahre wird fast ein Fünftel der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter zur Gruppe der 60- bis unter 67-Jährigen gehören. Die Lebenserwartung von heute Neugeborenen ist im Vergleich zum Jahr 1960 um 11 Jahre gestiegen. Zugleich nehmen die Lebensjahre zu, die bei guter Gesundheit verbracht werden.

(…) Bis Mitte der 2030er Jahre (werden) die geburtenstarken Jahrgänge schrittweise in den Ruhestand treten. Schon in den nächsten Jahren können die ersten Babyboomer regulär in Rente gehen. Es zeichnen sich größer werdende Engpässe in einzelnen Berufen und Regionen bei der Gewinnung von Fachkräften ab.

Arbeitskräfteangebot und Einwanderung

Weißbuch S. 30

Die wachsende nationale und internationale Mobilität ist ein weiterer Faktor der demografischen Veränderung. (…) Die aktuelle Einwanderung nach Deutschland ist neben der Zuwanderung aus anderen europäischen Ländern stark von Fluchtmigration geprägt. Wegen des überwiegend jüngeren Alters dieser Einwanderer – mehr als die Hälfte der 2015 zugewanderten Schutzsuchenden sind unter 25 Jahre alt – hat sich durch sie vor allem die Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter erhöht. Ihre Integration in das Bildungssystem und in den Arbeitsmarkt wird eine der zentralen Herausforderungen der kommenden Jahre sein.

Qualifikationsniveau der Bevölkerung

Weißbuch S. 31

Neben dem quantitativen Angebot an Arbeitskräften ist die Passgenauigkeit ihrer Kompetenzen ein entscheidender Faktor für die Vermeidung von Fachkräfteengpässen. Es droht ein Ungleichgewicht zwischen Angebot und Nachfrage nach gewünschten Qualifikationen (Mismatch). Daher spielt das Qualifikationsniveau der Bevölkerung zur Sicherung des Fachkräftebedarfs eine besondere Rolle. Das Bildungsniveau der Bevölkerung im erwerbsfähigen Alter ist in den vergangenen Jahren gestiegen: Derzeit erwerben 41 Prozent eines Schuljahrgangs die allgemeine Hochschulreife, 2006 waren es noch 30 Prozent. Darunter sind mittlerweile mehr Frauen als Männer.

Familienmodelle und Zeitbedarfe verändern sich

Weißbuch S. 32

In der geforderten Generation der 30- bis 55-jährigen Eltern, die fast ein Drittel der Erwerbstätigen ausmacht, konkurrieren das Bemühen um berufliches Engagement und Aufstieg, Kindererziehung und persönliche Interessen um die knappe Ressource Zeit.Diese Zeitknappheit, die sich bei nicht vorhandener Betreuungsinfrastruktur nocheinmal verschärft, dürfte in einer alternden Gesellschaft zunehmen, wenn die Betreuung pflegebedürftiger Angehöriger für eine wachsende Zahl von Erwerbstätigen als eine weitere Anforderung neben dem Beruf und elterlichen Aufgaben hinzukommt. Neben „klassische“ Anliegen wie Sicherheit und Entlohnung tritt für Beschäftigte daher der Wunsch nach mehr Zeitsouveränität.

 

Zum Weißbuch Arbeiten 4.0

Das vom Bundesministerium für Arbeit und Soziales herausgegebene Weißbuch Arbeiten 4.0 ist das Ergebnis eines umfangreichen Dialogprozesses. Viele Verbände, Institutionen und Unternehmen haben sich in Stellungnahmen zu den Leitfragen des (vorangestellten) Grünbuchs geäußert. Auf der Webseite www.arbeitenviernull.de oder über die sozialen Netzwerke haben sich Bürgerinnen und Bürger zu Wort gemeldet. Ziel ist eine Phase des gemeinsamen „Lernens in und aus der Transformation“ und eine experimentelle Erprobung neuer Konzepte. Ein entscheidender Aspekt hierfür ist es, gute Konzepte in die betriebliche Lebenswirklichkeit zu tragen.