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Die Generationendebatte – viel Lärm um nichts?

Altersstereotype ziehen sich durch die Arbeitswelt, bestimmen unser Verhalten und werden als Tatsachen verbucht. Ein großer Irrtum, wie erste Studienergebnisse zeigen. Ein Beitrag aus der „Wirtschaftspsychologie aktuell”.

20. Dezember 2017

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Wir wollen jetzt nicht zum x-ten Mal die Charakteristiken der verschiedenen Generationen auflisten, denn wir alle wissen ja wie sie sind, die Alten und die Jungen, die Boomer, Gen X und Gen Y. Oder? Leider haben Altersstereotype zwar einen festen Platz in unseren Köpfen, beeinflussen unsere eigene wie auch die Wahrnehmung anderer – und sind doch in keinster Weise wissenschaftlich fundiert. Mehr noch: Unsere Vorurteile im Kopf führen zu Self-fulfilling Prophecy.

Selbstgemachte Leistungsminderung

Vorurteile sind am wirksamsten, wenn man selbst an sie glaubt. Das gilt auch für altersabhängige Zuschreibungen. Die Alten scheuen die neuen Technologien, die Jungen wollen Flexibilität, die Alten brauchen Sicherheit, die Jungen ständige Rückmeldung. In der Praxis bedeutet das: Weiterbildung für die Alten ist unnötig, langfristige Verträge für die Junge unsinnig. So einfach – so falsch.

Fremd- und Selbstbild im Realitätscheck

Wie viel Substanz haben diese arbeitsbezogenen Altersklischees wirklich? Befragt werden dazu in einer aktuellen internationalen Studie unter anderem Teile der Daimler AG, vertreten sind darin gleichmäßig alle Altersgruppen beider Geschlechter. Erste Ergebnisse liegen vor und die Gegenüberstellung von Selbst- und Fremdwahrnehmung zeigt Erstaunliches: Die Generationen halten sich für stark unterschiedlich (Fremdeinschätzung), liegen aber in Wahrheit mehr als dicht beieinander (Selbsteinschätzung).

Stereotypen in jedem Kopf

Während den Alten die Offenheit gegenüber neuen Technologien von anderen abgesprochen wird, bewerten sie selbst sich hingegen als offen und interessiert. Den Jungen geht es mit den Klischees nicht anders: Sicherheit ist spießig? Mitnichten! Auch die Gen Y hätte es gerne verlässlich. Das Spannende aber ist nicht nur der Gap zwischen Fremd- und Selbsteinschätzung hinsichtlich der jeweils anderen Generation, erstaunlich ist viel mehr: Angehörige einer Generation schätzen ihre Altersgenossen ebenfalls den Stereotypen entsprechend ein. Eine Einschätzung mit weitreichenden Folgen.

Aufklären und Köpfe öffnen

Altersmanagement in Unternehmen folgt meist eben jenen Stereotypen, die wir alle im Kopf haben. Wie aber bringe ich die Alten in die Weiterbildung und nehme die Jungen in ihrem Wunsch nach klaren Strukturen und Sicherheit ernst? Wie schaffe ich ein Arbeitsumfeld, in dem nicht das Alter, sondern die Bedarfe der Individuen im Vordergrund stehen? Aufklärungsarbeit steht ganz vorne, will man Veränderung erreichen. Zum Beispiel mit interaktiven Ausstellungen wie EY ALTER. Denn nur wenn man Tatsachen erlebt, lassen sich Vorurteile beseitigen.

 

Der Beitrag entstand in Zusammenarbeit mit Andreas Mürdter, Prof. Dr. phil. Christian Stamov Roßnagel und Bror Giesenbauer

Lesen Sie den gesamten Artikel in der Wirtschaftspsychologie Aktuell, Ausgabe September 2017, Schwerpunkthema Arbeiten in Balance:
Wirtschaftspsychologie aktuell vom 28. September 2017

  • Andreas Mürdter

    Andreas Mürdter ist Wirtschaftsingenieur und Mitarbeiter Strategisches Belegschafts- und Generationenmanagement im Zentralbereich Personal- und Arbeitspolitik bei Daimler in Stuttgart

  • Prof. Dr. phil. Christian Stamov Roßnagel

    Prof. Dr. phil. Christian Stamov Roßnagel ist Diplom-Psychologe und Professor für Organisationspsychologie an der Jacobs University Bremen

  • Bror Giesenbauer

    Bror Giesenbauer hat den M.Sc. Wirtschaftspsychologie. Er ist Wissenschaftlicher Mitarbeiter an der Jacobs University Bremen