8. Demografiekongress 2017 in Berlin

Die demografische Entwicklung hängt wie ein Damoklesschwert über Gesellschaft und Wirtschaft und wenn wir nicht bald etwas tun, dann … Ja, was dann? Und hängt es da wirklich? Diese und weiterführende Fragen diskutierten rund 800 Teilnehmer*innen und 120 Referent*innen beim 8. Demografiekongress in Berlin. Das Motto für 2017: „Der Untergang ist abgesagt“.

14. September 2017

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Wir haben es alle immer wieder gehört: Deutschlands Bevölkerung schrumpft, die Menschen werden immer älter und der Fachkräftemangel ist flächendeckend ein massives Problem. Alles Mumpitz, behauptet der Wirtschaftswissenschaftler und Migrationsforscher Prof. Dr. Thomas Straubhaar und eröffnete den 8. Demografiekongress am 31. August mit provokanten Thesen. Grundlage ist sein aktuelles Buch „Wider die Mythen des demografischen Wandels“, in ihm widerlegt er die genannten bekannten Thesen und entwickelt seine eigenen dazu: (1) Deutschland wachse, (2) die Deutschen würden zwar älter, blieben aber länger gesund und damit auch arbeitsfähig und (3) der Fachkräftemangel sei hausgemacht, es brauche lediglich die Einbindung arbeitsfähiger Frauen, Migranten und Älterer. Zugegeben, so der Tenor in der anschließenden Diskussionsrunde, im Kern richtig, die Lebenswirklichkeit aber eine andere.

Rente mit 70

Diskutiert wurde auch die „Rente mit 70“. Eine Idee, die auf unbestimmte Zeit verschoben wurde, denn, so DGB-Vorstand Rainer Hoffmann, eine Krankenschwester sei im Alter von 60 Jahren schlicht „verschlissen“, ein Bauarbeiter gar mit 57 Jahren. Politiker wie Bert Rürup (SPD) wollen die Rente mit 70 auch politisch nicht durchsetzen.

Noch mehr Pflegebedürftige

Bleibt die wachsende Zahl der Pflegebedürftigen, die sich bis 2050 nahezu verdoppeln wird, so das Statistische Bundesamt. 17.000 über Hundertjährige leben in Deutschland und es werden immer mehr. Der steigenden Lebenserwartung sei Dank. Wer aber, fragt man sich, soll all diese Menschen versorgen? Technische Assistenzsysteme und Pflegekompetenzzentren werden ins Feld geführt. Und notwendig seien Umstrukturierungen, um die Pflege im kommunalen Bereich zu stärken, so DAK-Chef Andreas Strom.

Die sorgenden Strukturen

Die Kommunen sollen es richten – nur wie? Vielen fehle das Geld, weiß Dr. Irene Vorholz vom Deutschen Landkreistag. Und trotzdem gelte es, die sorgenden Strukturen auf kommunaler Ebene zu stärken, mahnt Prof. Dr. Andreas Kruse, Vorsitzender der Siebten Altenberichtskommission. Kein Leichtes in schrumpfenden Landkreisen. Da hilft nur Zusammenrücken – und eine bessere Vernetzung der Kommunen, glaubt der SPD-Politiker Theophil Gallo.

Stärken und weiterbilden

Das zentrale Ergebnis des Demografiekongresses 2017: Kommunen müssen stärker gefördert werden, weil Nachbarschaftshilfe eben kein Selbstläufer ist. Ein Ehrenamt im Bereich der Altenpflege übernehmen in Deutschland gerade mal 0,5%. Und die zweite Erkenntnis: Weiterbildung ist das Entscheidende für die Wirtschaft. Nicht nur wegen der technologischen Entwicklung, sondern auch und eben genau wegen der demografischen Entwicklung. Die Babyboomer gehen in Rente. Umso wichtiger wird die Ausbildung der Flüchtlinge mit Bleiberecht.

Kongresspräsident Ulf Fink fasst zusammen: „Wir haben gesehen, dass der demografische Wandel nicht in Stein gemeißelt ist, aber so oder so eine Herausforderung bleibt. (…) und (es hat sich) gezeigt, dass in unserem Land noch enorme Potenziale zu heben sind.“

 

Nächster Demografiekongress: 20. bis 21. September 2018

Eine Übersicht mit weiteren interessanten Veranstaltungen zu den Themen Demografischer Wandel, Digitalisierung und die Zukunft der Arbeit finden Sie in der Terminübersicht.