Aeltere Mitarbeiter

Bei der eigenen Belegschaft geht noch viel – vor allem bei den Älteren

Deutsche Unternehmen verweigern die Realität. Zwar ist bekannt: der demografische Wandel ist im vollen Gange, die Belegschaften in Unternehmen altern rapide, Facharbeiter fehlen in allen Bereichen. Und doch gilt der Arbeitnehmer 50plus den meisten Chefs und Personalverantwortlichen nur als Auslaufmodell.

8. November 2017

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Vorurteile gegen „alte“ Arbeitnehmer

Zu langsam, nicht mehr lernwillig, zu krankheitsanfällig lauten die gängigen Vorurteile. Mit fatalen Folgen: Fortbildungen für Ältere gelten als Ausgabenverschwendung. Mitarbeiterprogramme – etwa im Gesundheitsbereich – sind nur noch defizitorientiert ausgelegt (Rückenschule). Seniore Mitarbeiter werden systemisch demotiviert, um bald selbst an ihre scheinbare Minderleistung zu glauben.

Potential der Senioren wird verschleudert

Das Demografie Netzwerk (ddn), ein Zusammenschluss von rund 300 Unternehmen und Institutionen mit einer Personalverantwortung für über zwei Millionen Beschäftigte, beschäftigt sich schon länger damit, wie sehr Unternehmen das Potential gerade ihrer älteren Mitarbeiter mißachten, man sollte besser sagen: verschleudern. Ausgerechnet diejenigen, die über die meiste Erfahrung, die längsten Kundenkontakte, den größten Weitblick verfügen, werden an den Rand des Geschehens verschoben. Dabei zeigen alle Untersuchungen, dass ältere Arbeitnehmer vielleicht krankheitsanfälliger sind, aber unverändert lernfähig und sozial sogar sensibler und strategisch weitsichtiger als Jüngere.

Unternehmen müssen umdenken

Unternehmen müssen endlich umdenken. Wir benötigen ein systematisches und strategisches intergeneratives Management. Angesichts des Mangels an jugendlichem Nachwuchs und der zunehmenden Komplexität einer digitalen Arbeit 4.0 soll gerade Erfahrung im Unternehmen gehalten und gefördert werden. Die Mittel dafür sind längst bekannt und auch kleinere Betriebe können sie anwenden: Eine Zusammenarbeit von Jung und Alt, in der alle Altersgruppen ihre Stärken ausspielen können, ein laufender Wissenstransfer, eine abgestimmte Weiterbildung, ein wertschätzendes Arbeitsklima.

Neue Arbeitsformen sind gefragt

Dazu müssen sich neue Arbeitsformen etablieren. Der Arbeitnehmer der Zukunft wird nicht mehr in starren Zeitrhytmen malochen, sondern flexibel zwischen beruflichen und privaten Phasen hin und her wechseln – altersangepasst: Jüngere Kollegen gehen in Elternpause, Ältere erhalten Zeit für die Pflege ihrer Angehörigen.

Junge fragen, wie es im Alter gehalten wird

Das macht Arbeitgeber attraktiv. Junge fragen heute, wie es im Alter mit ihnen gehalten wird. Eine Chance für solche Unternehmen, die im Schatten der Großkonzerne Probleme haben, geeigneten Nachwuchs zu finden.Wer Mitarbeiterpotential heben will nicht jenseits der Werktore Ausschau halten. Bei der eigenen Belegschaft geht noch viel – vor allem bei den Älteren.

  • Dr. Frank Zils

    ist seit Anfang des Jahres Head of Human Resources Germany and Austria von Johnson & Johnson, mit Sitz in Neuss. Der promovierte Theologe und Philosoph startete seine Karriere 1997 in der Personalentwicklung der deutschen Lufthansa AG. Später übernahm er die Personalentwicklung der CS&P Bildungsmanagement  sowie des Saarbrücker Zeitung Verlages. Seit  2005 arbeitet er für  Johnson & Johnson, wo er zunächst den HR-Bereich des Geschäftbereiches Lifescan, später von Janssen-Cilag Pharma verantwortete.